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Warum ich kein Moslem bin

von Denny R. Walter
(19. März 2008)

Einleitung

Ich habe in meinen Abhandlungen „Warum ich kein Christ mehr bin“ und „Warum ich Atheist geworden bin“ bereits dargelegt, wieso ich nicht mehr an Jesus bzw. an Gott glaube.
Vom Christentum hab ich mich losgesagt, weil Jesus die Lehren über die Hölle und anderer Dinge, die sich in den hebräischen Schriften der Bibel noch nicht finden, aus dem nicht biblischen Buch Henoch entnommen hat. Und jemand, der die biblischen Bücher nicht von apokrypher Phantasieliteratur unterscheiden kann, kann kein Prophet Gottes, geschweige denn der Messias, sein.
Den Glauben an Gott hab ich dann aufgegeben, weil die Torah primitive und unlogische Gesetze enthält, die keinesfalls vom Schöpfer des Universums stammen können.

Diese beiden Abhandlungen decken nur den christlichen und den jüdischen Glauben ab. Ein Moslem könnte jetzt allerdings sagen, daß meine Argumente aus islamischer Sicht nichts wert sind, denn im Islam wird die Bibel ohnehin als von Menschen verfälscht angesehen.
Jesus hat die Hölle gelehrt, weil diese von allen Propheten gelehrt und erst bei der Verfälschung der Schrift gestrichen wurde. Der Schreiber des Buches Henoch war dabei jemand, zu dessen Zeit diese Lehre noch bekannt war, so daß er sie in sein Buch (das tatsächlich nicht von Gott inspiriert ist) mit aufnehmen konnte.
Und die unsinnigen Gesetze der Torah erklären sich ebenfalls dadurch, daß die Version, die wir heutzutage vorliegen haben, nicht mehr Gottes wahres Gesetz ist.
Deshalb hat Gott ja auch Mohammed geschickt, um die Lehre wieder zu ihren reinen Ursprüngen zurückzubringen und mit dem Koran das endgültige Wort Gottes zu offenbaren.

So ungefähr könnte ein Moslem argumentieren und dann sagen, daß Gott durchaus existiert und daß Jesus ein wahrhaftiger Prophet war.
Deshalb möchte ich hier auch nochmal ausführen, wieso ich kein Moslem bin und wieso mich die Fehler und Ungereimtheiten in der Bibel zum Atheismus und nicht zum Islam geführt haben.

Der Name Gottes

Jahwe. Das ist der Name, unter dem Gott den Juden seit Jahrtausenden bekannt ist.1 Es ist sein persönlicher Eigenname.
Im Koran gibt es diesen Namen nicht. Der Name, mit dem er dort hauptsächlich genannt wird, lautet Allah, was im wesentlichen einfach nur „Gott“ bedeutet, also die arabische Entsprechung der hebräischen Bezeichnung „Elohim“ ist.
Sollte sich der biblische Name Gottes doch im Koran finden, dann wohl lediglich als einer der 99 Namen, aber auf keinen Fall hat er dort die gleiche Bedeutung wie im Judentum:

Und Gott sprach weiter zu Mose: So sollst du zu den Israeliten sagen: Jahwe, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name auf ewig, mit dem man mich anrufen soll von Geschlecht zu Geschlecht.
(2. Mose 3:15)

Wieso hat Gott im Koran keinen Eigennamen? Wieso nennt er sich einfach nur Gott? Gehen Moslems davon aus, daß Gottes Name im Judentum zum verfälschten Teil der Bibel gehört und daß er im Original hauptsächlich als Elohim bekannt war? Wenn nicht, wieso wird der heilige Eigenname Gottes im Koran nicht mehr verwendet? Kann es damit zusammenhängen, daß er von Juden seit langem nicht mehr ausgesprochen wird und daß Mohammed ihn deshalb gar nicht kannte?

Die Offenbarungen der Vergangenheit und die Offenbarung des Korans

Nach der Lehre des Korans gab Gott den Propheten seine Schriften und Verkündigungen:

Er hat herabgesandt zu dir das Buch mit der Wahrheit, bestätigend das, was ihm vorausging; und vordem sandte Er herab die Thora und das Evangelium als eine Richtschnur für die Menschen; und Er hat herabgesandt das Entscheidende.
(Koran 3:3)

Doch diese wurden von den Menschen verfälscht, so daß Gott letztendlich Mohammed sandte, um den Koran zu verkünden:

12 Wahrlich, Allah hatte einen Bund mit den Kindern Israels geschlossen; und Wir erweckten aus ihnen zwölf Führer. Allah sprach: «Siehe, wenn ihr das Gebet verrichtet und die Zakat zahlt und an Meine Gesandten glaubt und sie unterstützt und Allah ein stattliches Darlehen gewährt, dann bin Ich mit euch und werde eure Missetaten von euch hinwegnehmen und euch in Gärten führen, durch die Ströme fließen. Wer von euch aber hierauf in Unglauben zurückfällt, der irrt fürwahr vom geraden Weg.»
13 Darum nun, weil sie ihren Bund brachen, haben Wir sie verflucht und haben ihre Herzen verhärtet. Sie verkehren die Worte aus ihren richtigen Stellen und sie haben einen (guten) Teil von dem vergessen, womit sie ermahnt wurden. Und du wirst nicht aufhören, auf ihrer Seite – bis auf einige von ihnen – Verrat zu entdecken. Also vergib ihnen und wende dich ab (von ihnen). Wahrlich, Allah liebt jene, die Gutes tun.
14 Und auch mit denen, die sagen: «Wir sind Christen», schlossen Wir einen Bund; aber auch sie haben einen (guten) Teil von dem vergessen, womit sie ermahnt wurden. Darum erregten Wir Feindschaft und Haß unter ihnen bis zum Tage der Auferstehung. Und Allah wird sie bald wissen lassen, was sie getan haben.
15 O Volk der Schrift, nunmehr ist Unser Gesandter zu euch gekommen, der euch vieles enthüllt, was ihr von der Schrift verborgen hieltet, und vieles übergeht. Gekommen ist zu euch fürwahr ein Licht von Allah und ein klares Buch.
(Koran 5:12–15)

Diese letzte, endgültige Offenbarung, den Koran, will Gott ewig schützen, so daß ihn niemand mehr verändern kann:

Und verlies, was dir von dem Buche deines Herrn offenbart ward. Da ist keiner, der Seine Worte verändern könnte, und du wirst außer Ihm keine Zuflucht finden.
(Koran 18:27)

Jetzt stellen sich mir hier zwei Fragen:

Erstens: Warum braucht Gott mehrere Versuche, um seine Botschaft zu schützen? Warum gibt er die Torah und das Evangelium und jedesmal wird die Lehre verfälscht? Ein allwissender Gott hätte das doch voraussehen müssen. Wieso wartet er also bis Mohammed, um sein Wort ein für allemal zu schützen?
Viel effektiver wäre es doch gewesen, Adam das absolute, reine Wort Gottes zu geben und es auf der Erde bis zum Jüngsten Tag zu bewahren, so daß die Menschen heutzutage immer noch dasselbe Buch besitzen wie zu Anfang der Menschheitsgeschichte. Von einem allmächtigen Gott kann man so eine Tat erwarten.
Stattdessen ließ er es zu, daß seine Worte verändert wurden und es macht den Anschein, als hätte er es nicht hinbekommen, sie zu schützen und erst beim letzten hat es dann geklappt. Das kann doch nicht in Gottes Sinn sein.

Zweitens: Warum braucht Gott so lange, um seine Worte zu korrigieren?
Zwischen Jesus und Mohammed zum Beispiel sind rund 600 Jahre vergangen. Was ist mit all den Menschen aus dieser Zeit, die Jesus aufgrund der verfälschten Kirchenlehren als Gott angesehen und ihn angebetet haben? Die konnten sich gar nicht zum reinen Monotheismus bekehren, weil sie es nicht wußten. Werden sie aufgrund dieser Sünde in die Hölle kommen?
Wieso also hat Gott seine Lehre nicht genau in dem Moment korrigiert, als sie verfälscht wurde? Wieso stand nicht sofort, als ein jüdischer Schreiber das erste Mal einen Buchstaben von der Torah ändern wollte, ein Prophet hinter ihm, um ihn zu belehren? Wieso beauftragte Gott nicht sofort, als man Jesus zum Gott erhob, einen neuen Propheten, um die Irrlehre zu korrigieren? Wieso dauerte es immer hunderte von Jahren (und Millionen von unwissenden Sündern), bis die von Menschen gemachten Fehler in der göttlichen Botschaft korrigiert wurden?

Meiner Meinung nach hängen beide Fragen damit zusammen, daß der Islam eine von Menschen gemachte Religion ist.

Juden sprechen vom Messias Jesus

Und wegen ihrer Rede: «Wir haben den Messias, Jesus, den Sohn der Maria, den „Gesandten“ Allahs, getötet»; während sie ihn doch weder erschlugen noch den Kreuzestod erleiden ließen, sondern er erschien ihnen nur gleich (einem Gekreuzigten); und jene, die in dieser Sache uneins sind, sind wahrlich im Zweifel darüber; sie haben keine (bestimmte) Kunde davon, sondern folgen bloß einer Vermutung; und sie haben darüber keine Gewißheit.
(Koran 4:157)

Ich glaube kaum, daß die Juden, die Jesus haben kreuzigen lassen bzw. denen es nach Lehre des Korans bloß so vorkam, jemals von Jesus „dem Messias“ sprachen, denn genau das ist ja der Streitpunkt zwischen Christen und Juden. Die Christen sehen Jesus als den Messias (Christus) an und die Juden lehnen dies ab und gehen davon aus, daß die Ankunft des Messias noch in der Zukunft liegt. Wieso also hätten die nicht-christlichen Juden sagen sollen, sie haben den Messias und den Gesandten Gottes gekreuzigt, wo sie ihn doch als nichts von beidem anerkannten?

Die Dreieinigkeitslehre

Fürwahr, ungläubig sind, die da sagen: «Allah ist der Dritte von Dreien»; es gibt keinen Gott als den Einigen Gott. Und wenn sie nicht abstehen von dem, was sie sagen, wahrlich, so wird die unter ihnen, die ungläubig bleiben, eine schmerzliche Strafe ereilen.
(Koran 5:73)

In einem Punkt muß ich dem Koran völlig recht geben: Die Dreieinigkeitslehre ist eine absolute Irrlehre. Das habe ich auch als Christ bekannt. Weder Jesus, noch die Schreiber des Neuen Testaments haben je behauptet, Jesus sei der allmächtige Gott. Diese Lehre wurde erst viel später in die Glaubensaussagen des Christentums aufgenommen.
Von daher hat der Koran also sowohl aus jüdischer, als auch aus neutestamentlich-christlicher Sicht recht, wenn es heißt, daß Gott bloß ein einiger Gott ist und nicht aus drei Personen besteht.

Doch nun zu meinem Kritikpunkt: Obwohl der Koran mit der Ablehnung der Dreieinigkeit richtig liegt, unterstellt er den Christen speziell in diesem Vers wieder etwas, das nicht stimmt. Denn die Christen behaupten durchaus nicht, daß Allah, also Gott, der dritte von dreien ist.

Das mag jetzt wie Haarspalterei klingen, aber diese Unterscheidung ist wichtig:
Die Christen gehen von einem dreieinigen Gott aus, der aus drei Personen besteht, der aber nur ein Gott ist: Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der heilige Geist.
Man könnte somit sagen, „Gott“ ist der Oberbegriff und „Vater“, „Sohn“ und „heiliger Geist“ sind die Unterbegriffe. Jeder von diesen dreien wird als der eine Gott, oder arabisch: Allah, angesehen.

Von daher ist es falsch, zu sagen, Allah sei laut den Christen einer von dreien. Laut den Christen ist Allah die Gesamtheit aller drei.
Der Vater ist einer von dreien. Der Sohn ist einer von dreien. Der heilige Geist ist einer von dreien.
Aber Gott/Allah ist nicht einer von dreien, sondern die Gesamtgottheit.

Es ist zwar durchaus korrekt, die Dreieinigkeit als Irrlehre darzustellen, aber die Inhalte dieser Irrlehre besagen eben, daß Gott sowohl der Vater, der Sohn, als auch der heilige Geist ist.
Die Aussage, die Christen würden behaupten:

[…] «Allah ist der Dritte von Dreien» […]

ist also falsch.
Es hätte so gesehen eher heißen müssen: „Allah der Vater ist einer von Dreien“.

Mohammed hat zwar gemerkt, daß die Dreieinigkeitslehre falsch ist, aber die genaue Definition, die die Christen dafür verwenden, hat er offenbar nicht im einzelnen untersucht, denn Gott ist für die Christen die Gesamtheit der drei göttlichen Personen und nicht nur einer von dreien. Einer von dreien wäre Gott der Vater, aber nicht nur Gott.

Weiterhin ist zu kritisieren, daß, selbst wenn wir jetzt mal davon ausgehen, daß mit Allah Gott der Vater gemeint ist, es immer noch nicht stimmt, daß er der dritte von dreien ist.
Der Vater ist in der Dreieinigkeit immer der erste von dreien, der Sohn ist der zweite und der heilige Geist ist der dritte.
In dieser Reihenfolge wird die Dreieinigkeit stets aufgezählt. Der Vater wird immer als erster genannt und an die erste Stelle gesetzt. Auf keinen Fall ist er der dritte von dreien.

Die Dreieinigkeitslehre und Maria

Und wenn Allah sprechen wird: «O Jesus, Sohn der Maria, hast du zu den Menschen gesprochen: „Nehmet mich und meine Mutter als zwei Götter neben Allah“?», wird er antworten: «Heilig bist Du. Nie konnte ich das sagen, wozu ich kein Recht hatte. Hätte ich es gesagt, Du würdest es sicherlich wissen. Du weißt, was in meiner Seele ist, aber ich weiß nicht, was Du im Sinn trägst. Du allein bist der Wisser der verborgenen Dinge.
(Koran 5:116)

Auch hier muß ich natürlich sagen: Generell ist die Ablehnung dieser Vielgötterei auf jeden Fall im Einklang mit den urchristlichen Lehren. Aber im Detail hätte der Vorwurf etwas anders lauten müssen:

Jesus wird nicht als ein Gott neben Allah/Gott angesehen, sondern die Christen sehen Jesus als den einen und einzigen Gott an. Man könnte sagen: Die Christen sehen Jesus als Allah an.
Die christliche Lehre von der Dreieinigkeit geht von einem Gott in drei Personen aus. Somit hätte es also eigentlich heißen müssen: „O Jesus, Sohn der Maria, hast du zu den Menschen gesprochen: „Nehmet mich […] als Allah“?“, denn Jesus wird nicht als zweiter Gott angesehen, sondern als der eine einzige.

Ein zweiter Fehler findet sich in der Erwähnung Marias, denn sie gehört nicht zur christlichen Dreieinigkeit, da diese aus Vater, Sohn und heiligem Geist und nicht aus Vater, Sohn und Mutter besteht.
Selbst wenn man sagen will, daß die Dreieinigkeit hier nicht erwähnt und die Anbetung Marias als extra Thema behandelt wird, muß ich anmerken, daß Katholiken Maria zwar wie eine Göttin verehren, daß sie aber nicht tatsächlich als Göttin angesehen wird. Maria ist nach Lehre der Katholiken die Himmelskönigin, die Mittlerin aller Gnaden oder auch die Gottesmutter, aber sie wird, im Gegensatz zu Jesus, nicht als Gott oder Göttin angesehen.

Der Sohn Gottes bei den Juden

Die Juden sagen, Esra sei Allahs Sohn, und die Christen sagen, der Messias sei Allahs Sohn. Das ist das Wort ihres Mundes. Sie ahmen die Rede derer nach, die vordem ungläubig waren. Allahs Fluch über sie! Wie sind sie irregeleitet!
(Koran 9:30)

Es stimmt zwar, daß die Christen sagen, Jesus der Messias sei Gottes Sohn, aber wo behaupten die Juden, daß Esra der Sohn Gottes sei?
Möglicherweise gab es zu Mohammeds Zeiten eine jüdische Gruppierung, die davon ausgegangen ist. Aber in einem ewig gültigen Buch ist es doch ziemlich unpassend, so etwas allgemein über die Juden zu sagen, wenn das bloß die Meinung einer kleinen Gruppe zu irgendeiner bestimmten Zeit war.
Das wäre so, als würde man sagen, die Christen sehen Jesus als den Erzengel Michael an, was ja auch bloß die Siebenten-Tags-Adventisten und die Zeugen Jehovas tun.

Dabei hätte es für die Behauptung, daß die Juden einen oder mehrere Söhne Gottes kennen, so viele Belege gegeben:

1 Als aber die Menschen sich zu mehren begannen auf Erden und ihnen Töchter geboren wurden,
2 da sahen die Gottessöhne, wie schön die Töchter der Menschen waren, und nahmen sich zu Frauen, welche sie wollten.
(1. Mose 6:1–2)

22 Und du sollst zu ihm sagen: So spricht der HERR: Israel ist mein erstgeborener Sohn;
23 und ich gebiete dir, daß du meinen Sohn ziehen läßt, daß er mir diene. Wirst du dich weigern, so will ich deinen erstgeborenen Sohn töten.
(2. Mose 4:22–23)

12 Wenn nun deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern schlafen legst, will ich dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich sein Königtum bestätigen.
13 Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich.
14 Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein. Wenn er sündigt, will ich ihn mit Menschenruten und mit menschlichen Schlägen strafen;
15 aber meine Gnade soll nicht von ihm weichen, wie ich sie habe weichen lassen von Saul, den ich vor dir weggenommen habe.
(2. Samuel 7:12–15)

6 »Wohl habe ich gesagt: Ihr seid Götter und allzumal Söhne des Höchsten;
7 aber ihr werdet sterben wie Menschen und wie ein Tyrann zugrunde gehen.«
(Psalm 82:6–7)

Aber es wurde sich ausgerechnet Esra ausgesucht, ein Mann, der im Judentum nicht als Sohn Gottes bekannt ist.

Der Ort des Sonnenuntergangs

83 Und sie fragen dich nach Dhulqarnän. Sprich: «Ich will euch etwas von seiner Geschichte erzählen.»
84 Wir setzten ihn fest auf Erden und gaben ihm die Mittel zu allem.
85 So folgte er einem Wege,
86 Bis er den Ort des Sonnenuntergangs erreichte; er fand sie in einem Quell von schlammigem Wasser untergehen, und nahebei fand er ein Volk. Wir sprachen: «O Dhulqarnän, entweder strafe oder behandle sie mit Güte.»
(Koran 18:83–86)

Hier zeigt sich das antike Bild einer scheibenförmigen Erde, denn in Wirklichkeit kann man niemals den „Ort“ des Sonnenuntergangs erreichen. Auch geht die Sonne nicht in schlammigem Wasser unter.
Selbst wenn dieser zweite Teilsatz im 86. Vers nur bedeutet, daß es Dhulqarnän aus seiner Sicht so vorkam, so bleibt immer noch die Tatsache, daß er nicht den Ort des Sonnenuntergangs erreichen kann, sondern von der Sonne annähernd genauso weit entfernt war, als hätte er ihren Untergang von woanders aus beobachtet.

Satans Sündenfall

71 Als dein Herr zu den Engeln sprach: «Ich bin im Begriffe, den Menschen aus Ton zu erschaffen,
72 Und wenn Ich ihn gebildet und von Meinem Geist in ihn gehaucht habe, dann neiget euch und bezeugt ihm Ehrfurcht.»
73 Da beugten sich in Ehrfurcht alle Engel, ohne Ausnahme,
74 Bis auf Iblis. Er wandte sich hochmütig ab und war schon (vorher) ungläubig.
75 (Gott) sprach: «O Iblis, was hinderte dich daran, Ehrerbietung zu erweisen dem, den Ich mit Meinen beiden Händen geschaffen? Bist du zu stolz oder bist du der Erhabenen einer?»
76 Er sprach: «Ich bin besser als er. Du erschufst mich aus Feuer und ihn hast Du aus Ton erschaffen.»
77 (Gott) sprach: «So gehe hinaus von hier, denn du bist ein Ausgestoßener.
78 Und Mein Fluch soll auf dir sein bis zum Tag des Gerichts.»
79 Er sprach: «O mein Herr, gewähre mir Frist bis zum Tage, an dem sie auferweckt werden.»
80 (Gott) sprach: «Siehe, dir wird Frist gewährt,
81 Bis zum Tage der bestimmten Zeit.»
82 Er sprach: «Bei Deiner Ehre, ich will sie sicherlich alle in die Irre führen,
83 Ausgenommen Deine erwählten Diener unter ihnen.»
84 (Gott) sprach: «Dann ist dies die Wahrheit, und Ich rede die Wahrheit,
85 Daß Ich wahrlich die Hölle füllen werde mit dir und denen von ihnen, die dir folgen, insgesamt.»
(Koran 38:71–85)

So wird im Koran der Abfall Satans von Gott dargestellt.

In der Bibel gibt es solch eine Geschichte nicht. Im Neuen Testament wird der Fall Satans zwar geschildert, aber in keinster Weise so, wie im Koran.
Das Neue Testament geht davon aus, daß Satan erst zur Zeit Jesu bzw. nach dessen Himmelfahrt aus dem Himmel geworfen wurde:

28 Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verherrlicht und will ihn abermals verherrlichen.
29 Da sprach das Volk, das dabeistand und zuhörte: Es hat gedonnert. Die andern sprachen: Ein Engel hat mit ihm geredet.
30 Jesus antwortete und sprach: Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen.
31 Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden.
(Johannes 12:28–31)

1 Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen.
2 Und sie war schwanger und schrie in Kindsnöten und hatte große Qual bei der Geburt.
3 Und es erschien ein anderes Zeichen am Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen,
4 und sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor die Frau, die gebären sollte, damit er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind fräße.
5 Und sie gebar einen Sohn, einen Knaben, der alle Völker weiden sollte mit eisernem Stabe. Und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und seinem Thron.
6 Und die Frau entfloh in die Wüste, wo sie einen Ort hatte, bereitet von Gott, daß sie dort ernährt werde tausendzweihundertundsechzig Tage.
7 Und es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel,
8 und sie siegten nicht, und ihre Stätte wurde nicht mehr gefunden im Himmel.
9 Und es wurde hinausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt: Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt, und er wurde auf die Erde geworfen, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen.
10 Und ich hörte eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes geworden und die Macht seines Christus; denn der Verkläger unserer Brüder ist verworfen, der sie verklagte Tag und Nacht vor unserm Gott.
11 Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt, bis hin zum Tod.
12 Darum freut euch, ihr Himmel und die darin wohnen! Weh aber der Erde und dem Meer! Denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, daß er wenig Zeit hat.
(Offenbarung 12:1–12)

Die Idee, daß Satan erst zur Zeit Jesu zum Sünder und Feind Gottes wurde, steht in diesem Zusammenhang auch im Einklang mit den jüdischen Schriften, in denen Satan gar kein Gegner Gottes, sondern einer der himmlischen Gottessöhne und Ankläger der Menschen, ist:

Und er ließ mich sehen den Hohenpriester Jeschua, wie er vor dem Engel des HERRN stand, und der Satan stand zu seiner Rechten, um ihn zu verklagen.
(Sacharja 3:1)

6 Es begab sich aber eines Tages, da die Gottessöhne kamen und vor den HERRN traten, kam auch der Satan unter ihnen.
7 Der HERR aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Ich habe die Erde hin und her durchzogen.
8 Der HERR sprach zum Satan: Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht auf Erden, fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse.
9 Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Meinst du, daß Hiob Gott umsonst fürchtet?
10 Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsumher beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitz hat sich ausgebreitet im Lande.
11 Aber strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat: was gilt’s, er wird dir ins Angesicht absagen!
12 Der HERR sprach zum Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; nur an ihn selbst lege deine Hand nicht. Da ging der Satan hinaus von dem HERRN.
(Hiob 1:6–12)

Er scheint bei den Engeln zwar nicht sonderlich beliebt zu sein:

Und der Engel des HERRN sprach zu dem Satan: Der HERR schelte dich, du Satan! Ja, der HERR, der Jerusalem erwählt hat, schelte dich! Ist dieser nicht ein Brandscheit, das aus dem Feuer gerettet ist?
(Sacharja 3:2)

Aber er gehört eindeutig zu ihnen.

Das allein wäre jetzt logischerweise noch kein Fehler, denn der Koran sieht die Bibel sowieso als verfälscht an und demnach ist es nur natürlich, daß sich Koran und Bibel widersprechen.

Nun gibt es aber so eine apokryphe Geschichte aus dem ersten bis zweiten nachchristlichen Jahrhundert: „Das Leben Adams und Evas“. Und in diesem Text steht folgendes:

12 Und auf seufzend sprach der Teufel: Adam, meine ganze Feindschaft, Neid und Schmerz geht gegen dich, weil ich deinetwegen vertrieben und entfremdet ward von meiner Herrlichkeit, die ich im Himmel inmitten der Engel hatte, und deinetwegen auf die Erde hinabgestoßen ward. Adam antwortete: Was habe ich dir getan, und was ist meine Schuld dir gegenüber? Warum verfolgst du uns, da du von uns doch nicht geschädigt oder verletzt worden bist?
13 Der Teufel antwortete: Adam, was sagst du da zu mir? Um deinetwillen bin ich von dort verstoßen worden. Als du gebildet wurdest, ward ich von Gottes Antlitz verstoßen und aus der Gemeinschaft der Engel verbannt. Als Gott den Lebensodem in dich blies, und dein Gesicht und Gleichnis nach Gottes Bild geschaffen wurde, brachte dich Michael und gebot, dich anzubeten im Angesichte Gottes, und Gott der Herr sprach: Siehe, Adam, ich schuf dich nach meinem Bild und Gleichnis.
14 Und Michael kam herauf und rief alle Engel also: Betet Gottes des Herrn Ebenbild an, wie Gott der Herr es befohlen! Und Michael selbst betete ihn zuerst an; dann rief er mich und sprach: Bete an das Ebenbild Gottes. Und ich antwortete: Ich brauche Adam nicht anzubeten. Und da Michael mich drängte, anzubeten, sprach ich zu ihm: Warum drängst du mich? Ich werde doch den nicht anbeten, der geringer und jünger ist als ich! Ich bin vor ihm erschaffen worden. Ehe er erschaffen ward, war ich erschaffen. Er sollte mich anbeten.
15 Als dies die anderen Engel hörten, die mir unterstanden, wollten sie ihn nicht anbeten. Und Michael sprach: Bete Gottes Ebenbild an! Tust du es aber nicht, so wird Gott der Herr über dich in Zorn geraten. Und ich sprach: Wenn er über mich in Zorn gerät, werde ich meinen Sitz erheben über die Sterne des Himmels und Gott dem Höchsten gleich sein.
16 Und Gott der Herr geriet in Zorn über mich und verbannte mich mit meinen Engeln von unserer Herrlichkeit, und so wurden wir um deinetwillen aus unseren Wohnungen in diese Welt getrieben und auf die Erde verstoßen. Und alsbald gerieten wir in Betrübnis, weil wir so großer Herrlichkeit entkleidet waren. Und dich in solcher Freude und Wonne sehen zu müssen, das betrübte uns. Und mit List umgarnte ich dein Weib und brachte es dahin, daß du ihretwegen von deiner Freude und Wonne vertrieben wurdest, gleichwie ich vertrieben ward von meiner Herrlichkeit.
(Das Leben Adams und Evas 12–16)

Die Parallelen zwischen dieser Geschichte und der im Koran sollten eindeutig sein.

Und nun muß ich mich fragen: Wenn der Koran von Gott ist, wie hat es dann ein Schreiber des ersten oder zweiten nachchristlichen Jahrhunderts, der ja nur die angeblich verfälschte Bibel besaß, die wir heute auch haben, geschafft, diese Geschichte über den Sündenfall Satans ziemlich genau so aufzuschreiben, wie sie frühestens im siebenten Jahrhundert nach Christus von Mohammed offenbart wurde?
Ist es hier nicht viel realistischer, daß sich der Verfasser dieses Textes die Geschichte nur ausgedacht hat, dann hat sie Eingang in die Kirchentradition gefunden (die Katholiken gehen ja heute noch davon aus, daß Satan bereits zu Beginn der Schöpfung aus dem Himmel gestoßen wurde, ohne sich bewußt zu sein, daß das keine biblische Idee ist, sondern eine, die aus einer apokryphen Schrift kommt) und Mohammed hat sie beim Schreiben des Korans übernommen?
Die Tatsache, daß eine im Himmel spielende Geschichte aus dem Koran schon Jahrhunderte vorher von irgendeinem beliebigen Menschen, der nur die laut Moslems verfälschte Bibel besaß, ziemlich ähnlich aufgeschrieben wurde, zeigt mir, daß Mohammed nicht von Gott gesandt war und den Koran stattdessen selbst formuliert hat.

Sterne als Geschosse für am Himmel lauschende Dschinn

8 Und wir suchten den Himmel, doch wir fanden ihn mit starken Wächtern und schießenden Sternen erfüllt.
9 Und wir pflegten auf einigen seiner Sitze zu sitzen, um zu lauschen. Wer aber jetzt lauscht, der findet einen schießenden Stern für sich auf der Lauer.
(Koran 72:8–9)

An dieser Stelle wird es so dargestellt, als wären Sterne (bzw. Sternschnuppen) Geschosse, die auf Dschinn geschossen werden, wenn sie versuchen, am Himmel zu lauschen und die Geheimnisse dort auszuspähen.
Ich frage mich, wie man diese Sichtweise mit unserem modernen Weltbild in Einklang bringen will.

Nach antiker Sicht ist das noch vorstellbar:
Oben an der Himmelsfeste beginnt das Reich Gottes und die Dschinn versuchen dort, zu lauschen. Also wird mit Sternen, die sich ja unter dem Himmel befinden (bzw. die auf seiner Unterseite festgemacht sind), am Himmel entlang auf sie geschossen.

Aber wie soll man sich das heutzutage vorstellen?
Befindet sich das Reich Gottes tatsächlich in unserer Dimension, zum Beispiel am äußersten Rand des Universums, so daß Dschinn es erreichen können, wenn sie sich in Richtung Himmel bewegen?
Und wenn die Geschosse Sterne sind, würde das bei einem Angriff auf einen Dschinn nicht bedeuten, daß sie vom Weltraum aus in Richtung Reich Gottes fliegen?

Auch wundert es mich, daß man den Himmel so leicht ausspionieren kann, indem man sich einfach irgendwo dort hinsetzt. Sollte Gott nicht in der Lage sein, sein Reich besser zu schützen als mit Hilfe von einfachen Geschossen? Wieso hat er es nicht so konstruiert, daß Gespräche von innen draußen gar nicht zu hören sind, so daß es völlig egal ist, ob ein Dschinn in der Nähe sitzt?

Die jungfräuliche Geburt2

Im Koran werden die alten Offenbarungen an die Juden und Christen als verfälscht angesehen. Zwar von Gott in reiner Form gesandt, aber dann von den Menschen verändert.

Nun ist das so eine Behauptung, die bis heute nicht wirklich verifiziert werden konnte, zumindest, was die direkte Verfälschung der biblischen Bücher betrifft.
Daß einige Lehren in der Tradition der Religionen verändert wurden, steht außer Frage, aber daß auch die Schriften der Bibel selbst korrumpiert sind, konnte noch nicht nachgewiesen werden. Mal abgesehen von einigen Alternativschreibweisen von Einzelwörtern, sind die ältesten gefundenen Kopien noch immer nahezu identisch mit der heutigen Bibel.
Eine Verfälschung der Texte, wie sie von islamischer Seite behauptet wird, ist also noch nicht bewiesen und bleibt nach wie vor Spekulation.

Allerdings gibt es durchaus andere Arten der Verfälschung: Nämlich die durch Übersetzungen und die durch Fehlinterpretationen, wenn sich ein Schreiber auf einen älteren Text bezieht.

Soweit zum allgemeinen Vorwort für diesen Abschnitt. Kommen wir nun zu den relevanten Koranstellen:

45 Wie die Engel sprachen: «O Maria, Allah gibt dir frohe Kunde durch ein Wort von Ihm: sein Name soll sein der Messias, Jesus, Sohn Marias, geehrt in dieser und in jener Welt, einer der Gottnahen.
46 Und er wird zu den Menschen in der Wiege reden und im Mannesalter und der Rechtschaffenen einer sein.»
47 Sie sprach: «Mein Herr, wie soll mir ein Sohn werden, wo mich kein Mann berührt hat?» Er sprach: «So ist Allahs (Weg), Er schafft, was Ihm gefällt. Wenn Er ein Ding beschließt, so spricht Er zu ihm: „Sei!“, und es ist.
(Koran 3:45–47)

16 Erzähle, was in diesem Buch über Maria steht. Da sie sich zurückzog von den Ihren nach einem gen Osten gewandten Ort,
17 Und sich vor ihnen barg im Schleier, da sandten Wir Unseren Geist zu ihr, und er erschien ihr in Gestalt eines vollkommenen Menschen.
18 Sie sprach: «Ich nehme meine Zuflucht vor dir bei dem Allerbarmer; (laß ab von mir) wenn du Gottesfurcht hast.»
19 Er antwortete: «Ich bin nur ein Gesandter deines Herrn, auf daß ich dir einen reinen Sohn beschere.»
20 Sie sprach: «Wie soll mir ein Sohn werden, wo mich kein Mann berührt hat und ich auch nicht unkeusch gewesen bin?»
21 Er antwortete: «So ist’s; dein Herr aber spricht: „Es ist Mir ein leichtes und (Wir tun dies) auf daß Wir ihn zu einem Zeichen machen für die Menschen und zu einer Barmherzigkeit von Uns, und es ist eine beschlossene Sache.“»
22 Und sie empfing ihn und zog sich mit ihm an einen entlegenen Ort zurück.
(Koran 19:16–22)

Wie man an den beiden Zitaten sieht, erkennt der Koran die jungfräuliche Geburt als Wahrheit an (wenn auch Jesus nicht als Sohn Gottes angesehen wird, aber das spielt hierfür so oder so keine Rolle).
Dabei ist es gerade diese Lehre, die nur durch Verfälschen von Verfälschungen zustandegekommen ist.
Doch für dieses, mein abschließendes Argument muß ich etwas ausholen.

Die Prophezeiung des Jesaja über Immanuel

Es gibt im biblischen Buch Jesaja einen Textabschnitt, der folgendermaßen beginnt:

1 Es begab sich zur Zeit des Ahas, des Sohnes Jotams, des Sohnes Usijas, des Königs von Juda, da zogen Rezin, der König von Aram, und Pekach, der Sohn Remaljas, der König von Israel, herauf nach Jerusalem, um es zu bekämpfen; sie konnten es aber nicht erobern.
2 Da wurde dem Hause David angesagt: Die Aramäer haben sich gelagert in Ephraim. Da bebte ihm das Herz und das Herz seines Volks, wie die Bäume im Walde beben vom Winde.
3 Aber der HERR sprach zu Jesaja: Geh hinaus, Ahas entgegen, du und dein Sohn Schear-Jaschub, an das Ende der Wasserleitung des oberen Teiches, an der Straße beim Acker des Walkers,
4 und sprich zu ihm: Hüte dich und bleibe still; fürchte dich nicht, und dein Herz sei unverzagt vor diesen beiden Brandscheiten, die nur noch rauchen, vor dem Zorn Rezins und der Aramäer und des Sohnes Remaljas.
5 Weil die Aramäer gegen dich Böses ersonnen haben samt Ephraim und dem Sohn Remaljas und sagen:
6 »Wir wollen hinaufziehen nach Juda und es erschrecken und für uns erobern und zum König darin machen den Sohn Tabeals«, –
7 so spricht Gott der HERR: Es soll nicht geschehen und nicht so gehen,
8 sondern wie Damaskus das Haupt ist von Aram, so soll Rezin nur das Haupt von Damaskus sein – und in fünfundsechzig Jahren soll es mit Ephraim aus sein, daß sie nicht mehr ein Volk seien –;
9 und wie Samaria das Haupt ist von Ephraim, so soll der Sohn Remaljas nur das Haupt von Samaria sein. Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.
(Jesaja 7:1–9)

Zusammenfassung:
Ahas, der König von Juda, wird vom König von Aram und vom König von Israel angegriffen. (Anmerkung: Zu der Zeit war Israel ein geteiltes Reich. Das Reich Juda mit der Hauptstadt Jerusalem war das Südreich und bestand aus den Stämmen Juda und Benjamin. Das Reich Israel mit den restlichen jüdischen Stämmen war das Nordreich.)
Das ist aber gegen Gottes Willen und er läßt es nicht zu.
Dem König Ahas läßt er durch den Propheten Jesaja tröstende Worte zukommen.

An diesen Text fügt sich nun eine weitere Prophezeiung an:

10 Und der HERR redete abermals zu Ahas und sprach:
11 Fordere dir ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott, es sei drunten in der Tiefe oder droben in der Höhe!
12 Aber Ahas sprach: Ich will’s nicht fordern, damit ich den HERRN nicht versuche.
13 Da sprach Jesaja: Wohlan, so hört, ihr vom Hause David: Ist’s euch zu wenig, daß ihr Menschen müde macht? Müßt ihr auch meinen Gott müde machen?
14 Darum wird euch der HERR selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine junge Frau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.
15 Butter und Honig wird er essen, bis er weiß, Böses zu verwerfen und Gutes zu erwählen.
16 Denn ehe der Knabe lernt Böses verwerfen und Gutes erwählen, wird das Land verödet sein, vor dessen zwei Königen dir graut.
(Jesaja 7:10–16)

Zusammenfassung:
Gott prophezeit, daß eine schwangere junge Frau einen Sohn gebären wird, den sie Immanuel nennt, und noch bevor dieser Junge alt genug ist, um Gutes und Böses zu unterscheiden, wird das Land der beiden angreifenden Könige verödet sein.
Das ist also eine Prophezeiung an den König Ahas, daß er sich nicht fürchten solle, denn die Befreiung vor den Angreifern dauert nicht mehr lange.

Die Septuaginta

Im dritten vorchristlichen Jahrhundert entstand die Septuaginta, die griechische Übersetzung der hebräischen Bibel, welche noch Jahrhunderte später große Bedeutung hatte.

In dieser Übersetzung wurde das hebräische Wort „alma“ aus Jesaja 7:14, welches ganz einfach „junge Frau“ bedeutet, mit dem griechischen Wort „parthenos“ übersetzt.
Das Wort „parthenos“ ist allerdings nicht ganz eindeutig, denn es kann mit „Jungfrau“ übersetzt werden, man kann also denken, hier wäre eine Frau gemeint, die noch keinen Sex hatte.

Hätte der Urtext von einer Jungfrau gesprochen, dann hätte dort das hebräische Wort „bethula“ gestanden, so wie zum Beispiel an dieser Stelle:

keine Witwe oder Verstoßene oder Entehrte oder Hure, sondern eine Jungfrau [bethula] seines Volks soll er zur Frau nehmen
(3. Mose 21:14)

Die Juden, die die hebräische Bibel übersetzten, benutzten für das eindeutige hebräische Wort „alma“ also ein zweideutiges griechisches Wort, das falsche Assoziationen wecken kann, die im Urtext nie beabsichtigt waren.

Das Evangelium nach Matthäus und die Geburtsgeschichte Jesu

Im Evangelium des Matthäus wird die Geburt Jesu folgendermaßen geschildert:

18 Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, daß sie schwanger war von dem heiligen Geist.
19 Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen.
20 Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem heiligen Geist.
21 Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.
22 Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14):
23 »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns.
24 Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.
25 Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.
(Matthäus 1:18–25)

Matthäus machte hierbei zwei wesentliche Fehler:

Erstens benutzte er für sein Jesajazitat ganz offensichtlich die zweifelhafte Übersetzung der Septuaginta, statt den hebräischen Originaltext, denn er verwendet ebenso das Wort „parthenos“ und assoziiert es tatsächlich mit einer buchstäblichen Jungfrau.

Zweitens reißt er die Prophezeiung aus dem Zusammenhang und bezieht sie auf den Messias, der für ihn Jesus ist. Dabei war der Originaltext nie dazu gedacht, eine Prophezeiung auf den Messias zu sein.
Der Messias ist der Nachkomme Davids, der dereinst erscheinen soll, um ewigen Frieden für Israel zu bringen. Er wird in den hebräischen Schriften angekündigt, zum Beispiel hier:

1 Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.
2 Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt.
3 Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians.
4 Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.
5 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst;
6 auf daß seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, daß er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.
(Jesaja 9:1–6)

Es ist an sich ganz natürlich, daß Matthäus alte Messiasprophezeiungen zitiert und sie auf Jesus anwendet.
Das Problem ist, wie gesagt, nur: Die Prophezeiung mit der jungen Frau und Immanuel ist keine Prophezeiung auf den Messias, sondern eine zeitnahe Prophezeiung, die sich noch zu Lebzeiten des Königs Ahas erfüllen sollte.
Immanuel war lediglich das Zeichen, daß Israel und Aram es nicht schaffen werden, Juda einzunehmen. Das hat überhaupt nichts mit einem Retter Israels zu tun, der mehr als 700 Jahre nach Ahas’ Tod erscheinen würde.

Die Geschichte von der wundersamen Geburt Jesu durch eine Jungfrau ist also nur entstanden, weil an zwei Stellen Fehler gemacht wurden:
Zuerst haben die jüdischen Gelehrten in der griechischen Übersetzung der Bibel das eindeutige Wort für „junge Frau“ mit einem zweideutigen Wort, das „Jungfrau“ bedeuten kann, übersetzt.
Und dann hat der Evangelist Matthäus, der diese zweideutige Übersetzung benutzte und die Frau tatsächlich als echte Jungfrau ansah, auch noch die gesamte Bibelstelle aus dem Zusammenhang gerissen und eine eigentlich zeitnahe Prophezeiung über einen Jungen, der ein Zeichen für den König Ahas sein sollte, auf den von den Juden seit Jahrhunderten erwarteten Messias gedeutet.
Nur deshalb ist die Geschichte von der jungfräulichen Geburt Jesu überhaupt zustande gekommen.

Verbindung zum Koran

Der Koran wirft den Juden und Christen vor, ihre Schriften gefälscht zu haben.
Und hier haben wir mal einen Fall, wo das wirklich zutrifft und wo diese Schriftfälschung tatsächlich von jedermann nachgeprüft werden kann:

Durch eine Fehlübersetzung wird eine Prophezeiung über eine junge Frau und ihren Sohn zu einer Prophezeiung über eine Jungfrau und ihren Sohn.
Und durch die Fehlinterpretation der Fehlübersetzung wird sie zu einer Prophezeiung über eine Jungfrau und ihren Sohn, den Messias, was vom Evangelisten in der wundersamen Geschichte von Jesu Geburt aufgegriffen wird.

Der Vorwurf des Islam, daß Juden und Christen die Schrift verfälscht hätten, haut in diesem Fall also hin.

Doch was sagt jetzt der Koran, das angebliche Wort Gottes, zu dieser Lehre von der Jungfrauengeburt, die nachweislich nur durch Fälschen von falschen Texten entstanden ist? Er erkennt sie als Wahrheit an.

Da haben wir also einmal eine Lehre, von der wir eindeutig nachweisen können, daß sie durch Verfälschung der biblischen Texte entstanden ist (zweideutige Übersetzung einer Prophezeiung in der Septuaginta durch die Juden und dann auch noch das Herausreißen dieser zweideutig übersetzten Prophezeiung aus dem Zusammenhang durch Matthäus) und was macht der Koran? Stellt genau diese Lehre, die jungfräuliche Geburt, als göttliche Wahrheit und historische Tatsache hin.

Für mich ist damit klar: Der Koran ist ein von Menschen verfaßtes Buch und keine göttliche Offenbarung. Der Islam beruht auf einer Schrift von Menschen.

Abschlußworte

Ich habe zuerst den christlichen Glauben und dann den generellen Glauben an Gott aufgegeben. Für beides hatte ich konkrete Gründe, die man anhand der Bibel und gegebenenfalls mit einigen anderen Schriften nachvollziehen kann.

Da nun diese Gründe für die islamische Sichtweise nicht gelten, weil die Bibel für Moslems sowieso nicht verbindlich ist, wollte ich hier der Vollständigkeit halber auch nochmal die Gründe nennen, wieso ich nie ein Moslem wurde und wieso der Islam zu keinem Zeitpunkt meiner Beschäftigung mit dem Glauben eine Alternative für mich darstellte.
Denn wie auch die jüdischen und christlichen Schriften, beinhaltet der Koran Fehler verschiedenster Sorte, so daß ich ihn nur als ein von Menschen gemachtes Werk und nicht als Wort Gottes ansehen kann.


1 Ich weiß natürlich, daß vom Namen Gottes nur die Konsonanten JHWH überliefert sind und daß sich die Aussprache nicht mehr mit endgültiger Sicherheit festlegen läßt, aber darum geht es hier nicht. Mir geht es nur darum, zu zeigen, daß es diesen Namen überhaupt gibt, weshalb ich im Text auf das ganze Aussprache- und Vokalisationsthema nicht eingehe.

2 Die in diesem Abschnitt getätigten Aussagen über die Texte in der hebräischen Bibel, der Septuaginta und des griechischen Neuen Testaments können an folgenden Stellen nachgeprüft werden:
Unter www.scripture4all.org finden sich die Texte der Bibel in Originalsprache mit englischer Interlinear-, d.h. Wort für Wort-Übersetzung. Unter www.scripture4all.org/OnlineInterlinear/Hebrew_Index.htm gibt es die hebräische Bibel und unter www.scripture4all.org/OnlineInterlinear/Greek_Index.htm das griechische Neue Testament als PDF-Dateien. (Zur Ansicht der einzelnen Dateien benötigt man den Adobe Acrobat Reader oder ein alternatives PDF-Anzeigeprogramm.) Der Text am rechten Rand ist dabei der Text der King James Bible und gehört nicht zur Interlinearübersetzung.
Die Septuaginta, die griechische Übersetzung der hebräischen Bibel, kann man als Vergleich auf www.bibleserver.com nachlesen. Dort muß beim zweiten Eingabefeld „LXX – Septuaginta“ ausgewählt werden.

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